Work Life Balance. Ein Schlagwort, das wohl jeder schon einmal gehört hat.
Spätestens dann, wenn Sie Mittlerer Manager geworden sind, wird Ihnen auch schlagartig klar, warum um den Begriff ein solcher Wind gemacht wird.
Das Problem liegt meistens gar nicht darin, dass Sie objektiv mehr Arbeit haben, wenn Sie Führungskraft geworden sind. Das Problem spielt sich vielmehr auf der psychischen Ebene ab.
Was ist Führungs-Stress?
Ich kann mich noch gut an meinen eigenen ersten Tag als Mittlerer Manager erinnern. Aufgedreht aber gut gelaunt räumte ich meinen letzten Umzugskarton aus. Als alle Aktenordner in den Schränken verstaut waren, beschloss ich einen kleinen Gang durch die Abteilung zu machen – durch meine Abteilung.
Ich klopfte an der ersten Bürotür. Keine Antwort. Ich klopfte erneut. Als immer noch keine Antwort kam, probierte ich ob offen war. Es war offen. Aber das Büro war leer. Ebenso das nächste. Und das übernächste.
Irritert ging ich weiter, und ohne zu klopfen öffnete ich die Tür des vierten Büros in der Reihe.
Was ich sah, traf mich wie ein Schlag: die gesamt Abteilung saß beinander, teils auf den Tischen teils auf den Stühlen. Die meisten hatten Sektgläser in der Hand und die Stimmung war sichtlich ausgelassen.
Schlagartig verstummten die Gespräche. Alle starrten mich an. Ich starrte zurück.
Ich war so überrascht, dass ich irgendeine Entschuldigung murmelte, leise die Tür schloss und gesenkten Hauptes zurück in mein Büro schlich. Ich war hier der Chef. Niemand hatte mich eingeladen, was auch immer da gefeiert wurde. Niemand hatte mir Bescheid gesagt. Was sollte ich tun? Wie sollte ich mich verhalten?
Führungs-Stress zu Beginn Ihrer Karriere als Mittlerer Manager entsteht oft dadurch, dass Sie mit vielen Situationen konfrontiert sind, die Sie nicht richtig einschätzen können.
Seien Sie darauf gefasst: das wird Sie nicht kalt lassen.
Wie sollen Sie mit den ungewohnten Situationen umgehen?
Der erste Schritt auf dem Weg zur Gelassenheit besteht darin, dass Sie unbekannte Situationen als Lern-Situationen begreifen.
Praxistipp: Akzeptieren Sie, dass Sie gerade zu Beginn Ihrer neuen Rolle viele Situationen erleben werden, in denen Sie sich gerade nicht souverän erleben werden!
Mittlere Manager neigen dazu Situationen kontrollieren zu wollen. Das ist nur natürlich. Wer es geschafft hat, Führungskraft zu werden, der hat vorher gute Leistungen gezeigt. Wer gute Leistungen zeigen kann, der hat sein Arbeitsleben im Griff. Kontrolle zu haben ist sozusagen Teil seines Selbstverständnisses.
Deshalb fällt es gerade Leistungsträgern, die ihre ersten Schritte als Mittlere Manager machen, oft schwer, sich auch einmal zurück zu nehmen und Unsicherheit zu ertragen.
Tun Sie es trotzdem!
Gehen Sie zurück in Ihr Büro, nehmen Sie sich Stift und Zettel und überlegen Sie, was Sie hätten tun können. Hinterher ist man immer schlauer. So ist es. Da die Anzahl an ungewohnten Situationen begrenzt ist, werden Sie schnell zu einer mehr selbstsicherern Haltung finden, wenn Sie bewusst und reflektiert mit neuen Situationen umgegangen sind.
Der erste wichtige Schritt in Richtung Work-Life-Balance ist getan. Wer Stress in der Arbeit als Lernchance begreift, der nimmt weniger Stress mit nach hause. Und er wird das nächste mal souveräner reagieren.
Übrigens: In meinem Fall hat sich am nächsten Tag herausgestellt, dass meine neuen Mitarbeiter gar nicht wussten, dass ich schon da bin. Alle dachten, dass ich erst am nächsten Tag kommen werde.
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