Sehr häufig steht ein junger Mittlerer Manager vor der Situation, dass er Mitarbeiter in der Abteilung vorfindet, die (erheblich) älter sind als er selbst.
Vielleicht sind Sie von zuhause oder von Natur aus mit soviel Selbstsicherheit ausgestattet, dass Ihnen diese Situation keinerlei Probleme bereitet.
Vielleicht geht es Ihnen aber auch, wie es mir erging: Sie spüren eine gewisse Befangenheit und fühlen sich unwohl. Schließlich war es bisher in Ihrem Leben immer so, dass ältere Menschen gleichzeitig Respektpersonen waren, egal, ob es sich dabei um Eltern, Lehrer oder Vorgesetzte handelte.
Was ist anders an älteren Mitarbeitern?
Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder, der Mitarbeiter hat sich schon lange damit abgefunden, den Rest seines Lebens den jetzigen Job oder einen vergleichbaren zu machen. Von der Idee in irgendeiner Form Karriere zu machen, hat er (oder sie) sich verabschiedet.
Oder aber das Gegenteil ist der Fall: der Mitarbeiter will es selber noch “zu etwas bringen”.
Was ist im Umgang mit älteren Mitarbeiten zu beachten?
Im erstgenannten Fall werden Sie mit ziemlicher Sicherheit auf folgende Varianten treffen:
- der Kollege macht seinen Job gut aber ohne besondere Motivation (jedenfalls ohne die Motivation mehr leisten zu wollen, als seine Aufgabe verlangt)
- er/ sie macht seinen Job mehr schlecht als recht, weiß aber alles besser (vor allem besser als irgendein dahergelaufener Jungspund von Chef)
Erfahrener Mitarbeiter der Leistung bringt
In der ersten Variante wird es sich oft um Menschen handeln, die auf anderen Feldern ihres Lebens größere Leistungen bringen (sei es ehrenamtlich, bei der Kindererziehung oder weil sie sich neben dem Beruf ihrem Hobby widmen).
Respektieren Sie diese Mitarbeiter, fragen Sie sie oft um Rat und ermöglichen Sie ihnen (z.B. durch eine möglichst variable Gestaltung ihrer Arbeitszeit), dass sie dem anderen Teil ihres Lebens die nötige Aufmerksamkeit widmen können. Sie werden es Ihnen danken und weiterhin im ihnen übertragenen Aufgabenbereich gute Leistungen zeigen.
Und vielleicht fällt der außerberufliche Bereich ja auch mal weg. Dann werden Sie einen Mitarbeiter haben, der erfahren ist, sich wohl fühlt und (gerade deswegen) die besten Ergebnisse erzielt.
Schwieriger Mitarbeiter
Schwieriger sind die Mitarbeiter, die zwar meinen gut zu sein (und besser als alle anderen), bei denen aber in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall ist. Das ist zwar nicht ausschließlich eine Altersfrage, aber das Problem verschärft sich erfahrungsgemäß, je älter die Menschen werden.
Akzeptieren Sie zunächst, dass es solche Menschen gibt, und zwar nicht zu knapp. Die Geringschätzung, die sie ihrer Umwelt und damit auch Ihnen als Führungskraft entgegen bringen, hat nichts mit Ihnen zu tun.
Praxistipp: Setzen Sie diesen Mitarbeitern in kurzer Zeit erreichbare klar überprüfbare Ziele und geben Sie ihnen zeitnah Feedback. Seien Sie höflich, sachlich aber unmissverständlich, was Ihre Aussagen betrifft!
Vielleicht kristallisiert sich ja im Laufe der Zeit heraus, dass die Mitarbeiter durchaus ihre Stärken haben, dass sie aber an der falschen Stelle im Unternehmen eingesetzt sind.
Karrierewünsche der Mitarbeiter
Die andere Variante sind die Mitarbeiter, die selber noch Karriere machen wollen. Sie sind schon älter, haben sich häufig selbst um den Chefposten beworben, den Sie gerade eingenommen haben, und sind tendenziell frustriert, dass sie nicht weiter kommen.
Praxistipp: Sprechen Sie Karrierewünsche Ihrer Mitarbeiter offen an. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Fragen Sie aktiv, wie sich Ihre Mitarbeiter die berufliche Zukunft vorstellen.
Wenn Sie zu der Erkenntnis kommen, dass der fragliche Mitarbeiter es tatsächlich verdient hat, weiter zu kommen, dann helfen Sie ihm. Er wäre sowieso bald weg.
Wenn Sie zum entgegengesetzten Bild kommen, gehen Sie im Prinzip so vor, wie bei den Mitarbeitern oben, die ihre eigene Arbeitsleistung überschätzen. Setzen Sie überprüfbare Ziele und zeigen Sie Grenzen auf. Damit werden Sie sich keine Freunde machen, aber das ist auch nicht Ihre Aufgabe als Führungskraft im Mittleren Management.
Ein Wort zum Schluss: Denken Sie an das Erfahrungswissen, über das ältere Mitarbeiter verfügen. Wenn einer dieser Kollegen kurz vor dem Ruhestand steht, dann kann es für das Unternehmen von großer Wichtigkeit sein, das Fachwissen, das dieser Mitarbeiter im Laufe seines Berufslebens angesammelt hat, anzuzapfen und an jüngere Kollegen weiter zu geben.
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