Heben Sie sich aus der Masse hervor

Es war Montag Vormittag. Peter Plan saß in einer Abteilungsbesprechung und langweilte sich. Seine Abteilungsleiterin redete seit einer halben Stunde, aber er war mit seinen Gedanken ganz woanders.

Genau am heutigen Tag war er nun drei Jahre im Unternehmen. Er hatte BWL studiert mit Schwerpunkt Controlling. Seine Noten waren gut. Nicht übertrieben gut, aber immerhin vorderes Drittel seines Jahrgangs. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zu drei Vorstellungsgesprächen eingeladen, und schneller als ihm eigentlich lieb war, hatten sie ihm den Job im Unternehmens-Controlling angeboten.

Anfangs war er mächtig stolz, weil er der erste seine Freunde war, der einen Job in einem richtig großen Unternehmen ergattert hatte. Aber jetzt saß er schon seit drei Jahren hier und kannte den ganzen Ablauf in- und auswendig. Controlling wiederholt sich nämlich. Jahr für Jahr dasselbe.

Er spürte, wie er immer unzufriedener wurde, wenn er darüber nachdachte. In Sachen Gehalt hatte sich auch nichts mehr ergeben. Zwar war er auf einem ganz guten Niveau eingestiegen, aber dann tat sich nicht mehr viel.

Und plötzlich wurde ihm auch klar, warum das so war. Er zwang sich, nicht mehr nach draußen zu sehen und warf einen Blick auf seine Kollegen. Er war einer unter vielen. Sie alle hatten BWL, VWL, Mathematik oder etwas Vergleichbares studiert. Er stach nicht heraus, er war nichts Besonderes. Warum also sollte ihm das Unternehmen mehr Geld geben als den anderen?

Hinzu kam, dass die anderen alle nicht schlecht waren. Er hatte Respekt vor Ihrer Intelligenz, vor Ihren Fähigkeiten, vor den Noten, die sie an der Uni erreicht hatten.

Was also unterschied ihn von seinen Kollegen? Worin war er besser als sie?

Was macht mich einzigartig?

Die Antwort auf Peters Frage lautet: Schon allein dadurch, dass er sich diese Fragen stellt, unterscheidet er sich deutlich von seinen Kollegen.

[box]Praxistipp: Wenn Sie in einem Unternehmen weiter kommen wollen, müssen Sie zunächst wissen, was genau Sie einzigartig macht.[/box]

Vielleicht sagen Sie jetzt: „Aber ich bin doch schon einzigartig!“ Das stimmt natürlich. Jeder Mensch ist einzigartig. Aber was heißt das eigentlich? Und haben Sie sich darüber überhaupt schon einmal Gedanken gemacht?

Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen noch nicht einmal so weit gehen würden, dass sie sich als einzigartig bezeichnen. Fragen Sie mal jemanden aus der Familie oder aus Ihrem Freundeskreis. Fragen Sie ihn (oder sie): „Was unterscheidet dich eigentlich von anderen Menschen? Was kannst du besonders gut?“

Die Antworten werden häufig ausweichend oder sogar abwehrend sein. So in der Art wie: „Warum willst du denn das wissen?“ oder „Keine Ahnung, ich bin eigentlich ganz normal.“

Aber vielleicht haben Sie auch jemanden im Freundeskreis, der schon mal etwas Besonderes erreicht hat. Vielleicht einen ambitionierten Amateur-Sportler oder einen Musiker.

Fragen Sie den mal, wie er das geschafft hat. Sie werden eines feststellen: Sobald Sie jemanden vor sich haben, dem es – auf welchem Gebiet auch immer – gelungen ist, aus der Masse heraus zu ragen, dann werden Sie auf Ihre Frage konkrete Antworten bekommen.

Auch die allgemeine Frage, was diesen Menschen von anderen unterscheidet, wird hier nicht unbeantwortet bleiben. Vielleicht hören Sie: „Ich glaube, ich kann recht beharrlich an meinen Zielen arbeiten.“ oder „Ich habe irgendwann mal festgestellt, dass ich schnell laufen kann. Von da an habe ich angefangen, genau darin noch besser zu werden.“

Wie auch immer. Eines nur soll uns hier interessieren: Je außergewöhnlicher die Dinge sind, die jemand erreicht hat, desto genauer wird dieser Mensch wissen, welche Fähigkeiten oder Eigenschaften es waren, die ihn dorthin gebracht haben.

Finden Sie Ihre Stärken und Schwächen heraus

Wenn Peter also wissen möchte, ob er für eine Führungsposition geeignet ist, muss er zunächst herausfinden, worin seine Stärken liegen. In der heutigen Unternehmenssprache nennt sich so etwas “Alleinstellungsmerkmal” oder “unique selling proposition”.

Was genau, fragen Sie, hilft das Peter bei der Beantwortung der Frage, ob er geeignet ist, Führungskraft zu werden?

Zunächst einmal muss jeder, der sich für eine Führungsaufgabe interessiert, ganz grundsätzlich bereit sein, sich selbst besser kennen zu lernen. Dafür ist es unerlässlich, seine Stärken und Schwächen zu kennen.

Zum anderen wird bei dieser Bestandsaufnahme zu Tage treten, ob diese Stärken im Bereich der Personalführung liegen. Es könnte ja genau so gut heraus kommen, dass Peter sich viel lieber in Probleme vertieft und seine größte Befriedigung darin findet, komplexe Situationen zu analysieren und neuartige Lösungsansätze zu präsentieren. Oder Peter stellt fest, dass er mit Menschen eigentlich gar nicht so viel am Hut hat und viel lieber im stillen Kämmerlein vor sich hin werkelt und froh ist, wenn er auch mal nachmittags um drei Uhr nachhause gehen kann. Das Thema “Karriere als Führungskraft” hätte sich dann relativ schnell erledigt.

Und last but not least werden Führungskräfte in einem Unternehmen nicht nach Schema F ausgewählt. Zwar ist es wichtig, bestimmte Grundvoraussetzungen zu erfüllen. Aber letztlich wird ein nachhaltig denkendes Management sehr daran interessiert sein, seine Mitarbeiter und vor allem auch seine Führungskräfte dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen stiften.

Und das ist ganz entscheidend davon abhängig, wo der Mitarbeiter seine größten Stärken hat.

Anders ausgedrückt: wenn es Peter gelingt herauszufinden, wo seine Stärken und Schwächen liegen, dann kann er schon jetzt eine Vorstellung davon entwickeln, wohin ihn sein beruflicher Weg führen wird.


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